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Der Engel des Herrn (Angelus)

Diese Seite erklärt den Engel des Herrn (Angelus): was er ist, wann er gebetet wird, wie die Glocke dazu läutet und wie man ihn spricht, mit dem ganzen Gebet auf Latein und Deutsch. Sie bringt auch das Regina Caeli, das in der Osterzeit an seine Stelle tritt, und eine kurze Geschichte der beiden.

Was der Engel des Herrn ist

Der Engel des Herrn ist ein kurzes Gebet zu Ehren der Menschwerdung: des Augenblicks, in dem der Sohn Gottes im Schoß der Jungfrau Maria Mensch wurde. Seinen lateinischen Namen hat er von seinen ersten Worten, Angelus Domini, „der Engel des Herrn“.

Er besteht aus drei kurzen Versen aus dem Evangelium von der Verkündigung, auf die jeweils ein Ave Maria folgt, und er schließt mit einem Gebet, in dem wir bitten, dass wir, die wir die Menschwerdung erkannt haben, durch Christi Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit seiner Auferstehung geführt werden. In weniger als zwei Minuten geht er durch den ganzen Glauben: die Botschaft des Engels, das Ja Marias, das Wort, das Fleisch geworden ist, und das Kreuz und die Auferstehung, die darauf folgen.

Papst Paul VI. nannte ihn ein Gebet, das keiner Erneuerung bedarf, wegen seines einfachen Aufbaus, seines biblischen Charakters und der Art, wie er die verschiedenen Augenblicke des Tages mit Gebet heiligt (Apostolisches Schreiben Papst Pauls VI. vom 2. Februar 1974, Nr. 41).

Wann er gebetet wird

Der Engel des Herrn wird dreimal am Tag gebetet:

Das sind die üblichen Zeiten. Das kirchliche Ablassbuch spricht einfach vom Morgen, vom Mittag und vom Abend; wer die genaue Uhrzeit verpasst, kann ihn also auch nahe an dieser Stunde beten. Niemand ist verpflichtet, den Engel des Herrn zu beten; er ist eine Andacht, die man frei übernimmt.

Die Angelusglocke

Seit Jahrhunderten ruft eine Kirchenglocke zum Engel des Herrn. Die überlieferte Läuteordnung ist:

  1. Drei Schläge, dann eine Pause.
  2. Noch drei Schläge, dann eine Pause.
  3. Noch drei Schläge, dann eine Pause.
  4. Neun Schläge, während das Schlussgebet gesprochen wird.

Die drei Gruppen zu drei Schlägen waren schon im Mittelalter die Regel: Die Statuten der Kathedrale von Wells von 1331 und die Regel der Abtei Syon in England aus dem 15. Jahrhundert beschreiben sie beide. Wo keine Glocke zu hören ist, betet man einfach zur gewohnten Stunde.

Der Engel des Herrn in Irland

In Irland gehört die Angelusglocke zum Alltag. RTÉ Radio 1 sendet die Glocke jeden Tag um 12 Uhr mittags und um 18 Uhr, und das Fernsehen RTÉ One bringt sie um 18 Uhr, kurz vor den Abendnachrichten. Die Radiosendung begann 1950, im Jahr der Verkündigung, auf Anregung von Erzbischof John Charles McQuaid von Dublin, und sie wurde beibehalten, weil die Menschen sie schätzten. Ins Fernsehen kam sie, als das Fernsehen von RTÉ 1962 auf Sendung ging. Die Glocke läutet in der überlieferten Ordnung von drei, drei, drei und neun Schlägen. Gesendet wird die Glocke selbst (im Fernsehen mit Bildern von Menschen, die im Gebet oder in stiller Besinnung innehalten), sodass jeder Hörer das Gebet dazu selbst spricht.

So betet man ihn

  1. Wenn die Glocke läutet, halte inne. Der Überlieferung nach kniet man; siehe unten „Kniend oder stehend“.
  2. Mache das Kreuzzeichen.
  3. Sprich den ersten Vers und seine Antwort, dann ein Ave Maria.
  4. Sprich den zweiten Vers mit Antwort, dann ein Ave Maria.
  5. Sprich den dritten Vers mit Antwort, dann ein Ave Maria.
  6. Sprich den letzten Vers mit Antwort, dann das Schlussgebet.
  7. Viele fügen dreimal das Ehre sei dem Vater an, zum Dank an die Heiligste Dreifaltigkeit, und schließen mit dem Kreuzzeichen.

Wenn der Engel des Herrn gemeinsam gebetet wird, leitet einer vor. Der Vorbeter spricht jeden Vers (mit V. bezeichnet), und alle antworten mit der Antwort (R.). Bei jedem Ave Maria spricht der Vorbeter die erste Hälfte, und alle stimmen ab „Heilige Maria, Mutter Gottes“ ein.

Der Engel des Herrn auf Latein und Deutsch

Der deutsche Text ist der, den der Heilige Stuhl in der deutschen Ausgabe des Kompendiums des Katechismus der Katholischen Kirche (2005) veröffentlicht.

V. Angelus Domini nuntiavit Mariae.V. Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft.
R. Et concepit de Spiritu Sancto.R. Und sie empfing vom Heiligen Geist.
Ave Maria, gratia plena, Dominus tecum; benedicta tu in mulieribus, et benedictus fructus ventris tui, Iesus. Sancta Maria, Mater Dei, ora pro nobis peccatoribus, nunc et in hora mortis nostrae. Amen.Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.
V. Ecce ancilla Domini.V. Maria sprach: Siehe, ich bin die Magd des Herrn.
R. Fiat mihi secundum verbum tuum.R. Mir geschehe nach deinem Wort.
Ave Maria…Gegrüßet seist du, Maria…
V. Et Verbum caro factum est.V. Und das Wort ist Fleisch geworden.
R. Et habitavit in nobis.R. Und hat unter uns gewohnt.
Ave Maria…Gegrüßet seist du, Maria…
V. Ora pro nobis, sancta Dei Genetrix.V. Bitte für uns, heilige Gottesmutter.
R. Ut digni efficiamur promissionibus Christi.R. Dass wir würdig werden der Verheißungen Christi.
Oremus.Lasset uns beten.
Gratiam tuam, quaesumus, Domine, mentibus nostris infunde: ut qui, Angelo nuntiante, Christi Filii tui incarnationem cognovimus, per passionem eius et crucem ad resurrectionis gloriam perducamur. Per eundem Christum Dominum nostrum.Allmächtiger Gott, gieße deine Gnade in unsere Herzen ein. Durch die Botschaft des Engels haben wir die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt. Führe uns durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung. Darum bitten wir durch Christus, unsern Herrn.
R. Amen.R. Amen.

Das Schlussgebet ist ein altes Gebet der römischen Liturgie. Im überlieferten Brevier gehört es zur marianischen Antiphon Alma Redemptoris Mater; im heutigen Römischen Messbuch ist es das Tagesgebet vom Vierten Adventssonntag.

In der Osterzeit: das Regina Caeli

In der Osterzeit tritt an die Stelle des Engels des Herrn das Regina Caeli, „Himmelskönigin“, ein freudiger Gesang, der Maria zur Freude ruft, weil ihr Sohn auferstanden ist. Es wird zu denselben drei Tageszeiten gebetet, und zwar stehend, als Zeichen des Sieges Christi über den Tod.

Die Osterzeit wird in den beiden Formen des Römischen Ritus etwas verschieden gerechnet:

Wer das Regina Caeli nicht kennt, darf stattdessen den Engel des Herrn beten; die alten Regeln sagten das ausdrücklich.

Regina caeli, laetare, alleluia.O Himmelskönigin, frohlocke. Halleluja.
Quia quem meruisti portare, alleluia.Denn er, den du zu tragen würdig warst, Halleluja,
Resurrexit, sicut dixit, alleluia.ist erstanden, wie er sagte. Halleluja.
Ora pro nobis Deum, alleluia.Bitt Gott für uns, Maria. Halleluja.
V. Gaude et laetare, Virgo Maria, alleluia.V. Freu dich und frohlocke, Jungfrau Maria. Halleluja.
R. Quia surrexit Dominus vere, alleluia.R. Denn der Herr ist wahrhaft auferstanden, Halleluja.
Oremus.Lasset uns beten.
Deus, qui per resurrectionem Filii tui, Domini nostri Iesu Christi, mundum laetificare dignatus es: praesta, quaesumus, ut per eius Genetricem Virginem Mariam perpetuae capiamus gaudia vitae. Per eundem Christum Dominum nostrum.Allmächtiger Gott, durch die Auferstehung deines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus, hast du die Welt mit Jubel erfüllt. Lass uns durch seine jungfräuliche Mutter Maria zur unvergänglichen Osterfreude gelangen. Darum bitten wir durch Christus, unsern Herrn.
R. Amen.R. Amen.

Niemand weiß, wer das Regina Caeli verfasst hat. Eine fromme Legende erzählt, Papst Gregor der Große habe an einem Ostermorgen in Rom die ersten drei Zeilen von Engeln singen hören und die vierte selbst hinzugefügt. Es lässt sich bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgen, und die Franziskaner sangen es schon in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts nach der Komplet.

Kniend oder stehend

Die überlieferte Rubrik, die mit den kirchlichen Ablassgewährungen für dieses Gebet gedruckt wurde, lautet:

Das Stehen ist ein Zeichen der Freude über den Sieg Christi über den Tod. Die heutige kirchliche Ablassgewährung für das Gebet schreibt keine Haltung vor, und viele halten einfach inne und beten still, wo sie gerade sind, am Schreibtisch, im Geschäft oder unterwegs. Wer an Werktagen zu Hause oder in der Kirche kniet und an Sonntagen und in der Osterzeit steht, bewahrt den alten Brauch.

Eine kurze Geschichte

Der Engel des Herrn ist langsam, über mehrere Jahrhunderte, aus der Gewohnheit gewachsen, Unsere Liebe Frau zu grüßen, wenn eine Glocke läutete.

Der Angelus mit dem Papst

Jeden Sonntag um 12 Uhr betet der Papst mit den Pilgern auf dem Petersplatz in Rom den Angelus. Zuerst hält er eine kurze Betrachtung über das Sonntagsevangelium, dann betet er den Engel des Herrn (in der Osterzeit das Regina Caeli) und fügt oft einige Worte zu den Ereignissen in der Welt an. Das tut er auch an einigen großen Festen, etwa am 1. Januar, am Ostermontag und an Mariä Himmelfahrt am 15. August. Im Sommer findet er manchmal in Castel Gandolfo statt, und auf Reisen im Ausland dort, wo der Papst gerade ist. Die Texte dieser Ansprachen veröffentlicht die Website des Heiligen Stuhls, und Vatican News überträgt das Gebet live, sodass jeder mit ihm beten kann.

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